Eine Aufgabe dauert mit KI drei statt fünf Stunden. Für die Kanzlei ist das zunächst eine Zeitersparnis. Ob sie dadurch mehr verdient, ihre Mitarbeiter entlastet oder eine Leistung günstiger anbieten kann, hängt von den nächsten Entscheidungen ab.
Gerade bei der Abrechnung nach Zeit entsteht eine berechtigte Frage: Warum sollte eine Kanzlei in eine Technik investieren, die den Aufwand für ihre bisher verrechenbare Arbeit reduziert?
Im Future Ready Lawyer Report 2026 von Wolters Kluwer berichten 62 Prozent der Befragten, durch KI wöchentlich zwischen sechs und 20 Prozent ihrer Arbeitszeit einzusparen. Solche Selbstauskünfte geben einen Hinweis auf mögliche Effekte. Eine Kalkulation für die eigene Kanzlei ersetzen sie nicht. Wolters Kluwer, Future Ready Lawyer 2026
Dieselbe Zeitersparnis kann wirtschaftlich Unterschiedliches bedeuten
Bleiben wir bei unserer fiktiven Kanzlei und ihrer Vertragsprüfung. In einem rein hypothetischen Rechenbeispiel sinkt der gesamte Arbeitsaufwand je Auftrag von fünf auf drei Stunden. Die drei Stunden enthalten bereits Vorbereitung, fachliche Prüfung und Korrekturen. Zur Vereinfachung werden ein einheitlicher verrechneter Stundensatz von 250 Euro und ein unveränderter Leistungsumfang angenommen; Umsatzsteuer bleibt unberücksichtigt.
| Ausgangslage | Wirkung im Beispiel |
|---|---|
| Abrechnung nach Zeit, keine Nutzung der frei werdenden Kapazität | Der Honorarumsatz dieses Auftrags sinkt von 1.250 auf 750 Euro. |
| Abrechnung nach Zeit, zwei zusätzliche verrechenbare Stunden werden möglich | Rechnerisch können weitere 500 Euro Honorarumsatz entstehen. Voraussetzung sind passende Nachfrage und tatsächlich verrechenbare Arbeit. |
| Vereinbarte Pauschale von 1.250 Euro | Der Honorarumsatz bleibt im Beispiel gleich. Der wirtschaftliche Nutzen hängt vom internen Aufwand und den zusätzlichen KI-Kosten ab. |
Weniger Zeitaufwand bedeutet bei unverändertem Personalbestand nicht automatisch weniger Gehaltskosten. Zunächst entsteht verfügbare Kapazität. Ob daraus ein finanzieller Vorteil wird, hängt davon ab, wie die Kanzlei diese nutzt.
Die Kapazität kann zusätzlichen Mandaten, der Mandantenbetreuung oder der Entlastung des Teams dienen. Legen Sie das Ziel ausdrücklich fest und bewerten Sie die Wirkung daran.
Den vollständigen Aufwand erfassen
Ein schneller Entwurf ist nur ein Teil der Rechnung. Für die Bewertung gehören auch Toolkosten, Einrichtung, Schulung und laufende Betreuung dazu. Bei wiederkehrenden Aufgaben lässt sich untersuchen, über wie viele Fälle sich der einmalige Einführungsaufwand voraussichtlich verteilt.
Messen Sie im Pilot insbesondere:
- die Bearbeitungszeit einschließlich fachlicher Prüfung und Nacharbeit;
- relevante Fehler und ausgelassene Informationen;
- die Zeit vom Auftragseingang bis zum freigegebenen Ergebnis;
- die zusätzlichen Einführungs- und Betriebskosten;
- die tatsächliche Verwendung der frei gewordenen Kapazität.
Die Qualitätsanforderungen werden vorab festgelegt. Ein Zeitvorteil ist nur dann nutzbar, wenn das Ergebnis diese Anforderungen erfüllt. Bleibt der Vorteil nach einigen Durchläufen aus, sollte die Kanzlei den Ablauf anpassen oder den Anwendungsfall erneut bewerten.
Honorar und interne Anreize mitdenken
KI kann Anlass sein, die Honorarstruktur einer klar definierten Leistung zu prüfen. Bei wiederkehrenden Aufgaben kann eine Pauschale dem Mandanten Planungssicherheit geben. Bei schwer abgrenzbaren oder unvorhersehbaren Mandaten kann die Zeitabrechnung weiterhin passen. Voraussetzung ist jeweils, dass Leistungsumfang, Ausnahmen und Erwartungen sauber vereinbart sind.
Die Erwartung an Veränderungen ist auch in internationalen Befragungen sichtbar: 71 Prozent der von Thomson Reuters befragten Unternehmensjuristen erwarten, dass externe Kanzleien ihre kommerziellen Modelle mit zunehmender KI-Nutzung ändern. Daraus folgt kein bestimmtes Preismodell für Ihre Kanzlei, wohl aber ein guter Gesprächsanlass. Thomson Reuters, Future of Professionals 2026
Intern sollte zugleich geklärt werden, wie Effizienz anerkannt wird. Wenn Mitarbeiter an verrechenbaren Stunden gemessen werden, braucht die Mitarbeit an einem zeitsparenden Ablauf einen nachvollziehbaren Platz in der Leistungsbewertung. Sonst erschwert die interne Steuerung das erklärte Projektziel.
Mit einer überprüfbaren Entscheidung beginnen
Für den Einstieg muss die Partnerschaft nicht das gesamte Geschäftsmodell neu entwerfen. Sie kann einen wiederkehrenden Prozess auswählen, Qualitätsanforderungen und Ausgangswerte festhalten und einen begrenzten Pilot durchführen.
Am Ende stehen konkrete Fragen: Hat der Ablauf die geforderte Qualität erreicht? Wie viel Aufwand spart er tatsächlich? Welche Kosten kommen hinzu? Wofür wird die Kapazität gebraucht? Auf dieser Grundlage lässt sich über eine Fortsetzung entscheiden.
Datology begleitet Sie von der Prozessanalyse bis zur Umsetzung. Im Workshop priorisieren wir geeignete Anwendungen. Die technische Umsetzung berücksichtigt Ihre vorhandenen Systeme und Kontrollen; unser KI-Management koordiniert die weiteren Schritte.
Welcher Prozess könnte in Ihrer Kanzlei den ersten messbaren Nutzen bringen? Im kostenlosen Erstgespräch besprechen wir Ihre Ziele und einen möglichen Anwendungsfall. Gemeinsam klären wir, welche Fragen vor dem Start beantwortet werden müssen und welcher nächste Schritt dazu passt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Wolters Kluwer: Future Ready Lawyer 2026
- Thomson Reuters Institute: Future of Professionals Report 2026 – Legal
Veröffentlicht am 14. Oktober 2026. Das durchgehende Kanzleibeispiel dieser Serie ist fiktiv.
Zur Serie: Teil 1 behandelt Verantwortung, Teil 2 den Mandantennutzen, Teil 3 die Qualitätskontrolle und Teil 4 die Einführung im Team.