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KI ist in Ihrer Kanzlei angekommen. Wer übernimmt die Verantwortung?

Ein Mitarbeiter nutzt KI für Vertragsentwürfe, eine Kollegin für Recherche. Beide gewinnen Zeit. Ob daraus ein verlässlicher Vorteil für die Kanzlei entsteht, hängt davon ab, wie diese Arbeitsweisen zusammengeführt werden.

Nehmen wir eine fiktive Wirtschaftskanzlei mit 35 Mitarbeitern. Einige haben bereits KI-Lizenzen, andere verwenden gelegentlich einen öffentlichen Chatbot. In der Partnersitzung fällt der Satz: „Wir machen ohnehin schon einiges mit KI.“ Welche Anwendungen tatsächlich genutzt werden, welche Informationen hineinfließen und wie Ergebnisse geprüft werden, lässt sich allerdings nicht vollständig beantworten.

Damit fehlt eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Die Partnerschaft kann weder gute Ansätze gezielt ausbauen noch beurteilen, wo Regeln oder Unterstützung notwendig sind.

Hohe Nutzung sagt wenig über die Organisation aus

Das österreichische Legal Tech-Barometer 2026 berichtet, dass 99 Prozent der Befragten zumindest gelegentlich KI verwenden. Zugleich haben laut Ergebnisbericht 44 Prozent der Organisationen keine verantwortliche Person für Legal Tech oder KI. Die Werte beschreiben die Teilnehmenden der Befragung und ihre Organisationen; sie sind keine Vollerhebung österreichischer Kanzleien. Für die Kanzleiführung ist die Gegenüberstellung dennoch aufschlussreich: Nutzung und organisatorische Zuständigkeit können weit auseinanderliegen. Future-Law, Legal Tech-Barometer 2026

Ein ähnliches Problem zeigt eine internationale Befragung von Thomson Reuters: 34 Prozent der befragten Kanzleimitarbeiter geben an, KI-Tools einzusetzen, die ihre Kanzlei nicht autorisiert hat. Solche Nutzung außerhalb der Freigaben wird häufig als „Shadow AI“ bezeichnet. Thomson Reuters, Future of Professionals 2026

Eine Bestandsaufnahme sollte deshalb offen nach der tatsächlichen Arbeit fragen. Wo hilft KI bereits? Wo entsteht Unsicherheit? Wer einen brauchbaren Ablauf gefunden hat, sollte ihn zeigen können. Das schafft die Voraussetzung, um geeignete Lösungen freizugeben und problematische Anwendungen zu ersetzen.

Der einzelne Zeitgewinn muss im gesamten Ablauf bestehen

Unsere Beispielkanzlei möchte eingehende Lieferverträge anhand eines eigenen Prüfkatalogs vorstrukturieren. KI soll relevante Klauseln zuordnen und Fundstellen für die anschließende juristische Prüfung zusammenstellen.

Ein schneller erster Überblick wäre hilfreich. Wenn der prüfende Partner anschließend jedoch sämtliche Zuordnungen neu erstellen muss, hat die Kanzlei Arbeit lediglich verschoben. Deshalb sollte sie den Aufwand vom Eingang des Vertrags bis zum freigegebenen Ergebnis betrachten. Dazu gehören Vorbereitung, Prüfung und Korrekturen.

Ebenso wichtig ist die Wiederholbarkeit: Können mehrere Mitarbeiter mit demselben Ablauf brauchbare Ergebnisse erzielen? Oder funktioniert er nur bei jener Kollegin, die ihn entwickelt hat?

Ein guter KI-Anwendungsfall muss sich im Arbeitsalltag der Kanzlei bewähren. Eine überzeugende Demonstration ist dafür ein Ausgangspunkt, noch kein Nachweis.

Fünf Fragen für die nächste Partnersitzung

Für eine erste Standortbestimmung genügt eine gemeinsame Übersicht. Klären Sie:

  1. Welche KI-Werkzeuge werden beruflich eingesetzt und von wem?
  2. Welche Aufgaben werden damit bearbeitet und welche Daten verwendet?
  3. Welche Freigaben und Prüfregeln bestehen bereits?
  4. Wo ist ein Nutzen erkennbar und wo entsteht zusätzliche Arbeit?
  5. Wer führt die Informationen zusammen und bereitet Entscheidungen vor?

Halten Sie unbekannte Punkte ausdrücklich fest. Eine Lücke in der Übersicht ist ein konkreter Arbeitsauftrag und kein Grund, die Bestandsaufnahme aufzuschieben.

Für eine Kanzlei dieser Größe kann zunächst eine benannte Person die Koordination übernehmen. Sie braucht dafür verfügbare Zeit, Zugang zur Partnerschaft und einen klaren Entscheidungsweg. Fachliche Verantwortung, technische Betreuung und die Beurteilung rechtlicher Anforderungen müssen dabei passend zugeordnet bleiben.

Aus der Bestandsaufnahme einen ersten Schritt ableiten

Wählen Sie anschließend einen häufigen, klar abgrenzbaren Arbeitsablauf für eine nähere Prüfung aus. Bei unserer Beispielkanzlei wäre das die Vorstrukturierung einer bestimmten Vertragsart anhand eines festgelegten Prüfkatalogs. Damit entsteht eine Aufgabe, deren Nutzen und Grenzen sich untersuchen lassen.

Datology unterstützt Kanzleien dabei, die bestehende Nutzung einzuordnen, Anwendungsfälle zu priorisieren und die weitere Umsetzung zu koordinieren. Unser KI-Management verbindet diese Entscheidungen mit der technischen Umsetzung.

Quellen und weiterführende Informationen

Veröffentlicht am 16. September 2026. Das durchgehende Kanzleibeispiel dieser Serie ist fiktiv.

Sie möchten wissen, wo Ihre Kanzlei beginnen sollte? Im kostenlosen Erstgespräch besprechen wir Ihre heutige KI-Nutzung, offene Zuständigkeiten und den sinnvollsten nächsten Schritt.

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Weiter in Teil 2: Welche Verbesserung sollen Ihre Mandanten durch den KI-Einsatz tatsächlich erleben? Erscheint am 23. September 2026.

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